Rauf + Runter. Der Mobile Cycle Club zu Besuch in der Mütze

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Vor einigen Jahren schlugen wir deutschen Mitfahrern auf Mallorca einen Besuch im örtlichen Rapha-Pop-Up-Store vor. Zu der Zeit hießen die Favoriten in „unserem“ Peloton Assos, Gore und Gonso. Von der englischen Marke hatte noch niemand gehört, der minimalistische Stil von Laden und Bekleidung sprach dann auch nur wenige Mitfahrer an. Aber diese waren positiv überrascht vom komplett anderen Look. Und vom hauseigenen leckeren Espresso.

Rapha-Gründer Simon Mottram hatte als ehemaliger leitender Mitarbeiter von Interbrand, der Firma, die die Top 100 der Marken erfand und uns den Begriff Wi-Fi bescherte, ohne Frage das Know-How, eine Marke zu etablieren. Aber er hatte auch die Zuversicht und den Mut, Radsportbekleidung neu zu erfinden. Dabei ging es nicht nur um die Klamotten, sondern der gesamte Look der Rennradfahrer wurde neu definiert: schwarz-weiße Bilder, tätowierte Fahrer, einsame Landschaften. Wenn hier jemand beim Fahren litt, dann sah das super aus. Und machte Lust auf eine Ausfahrt. Sogar bei Nebel, Dauerregen oder Schnee. So lange nur die Klamotten gut waren.

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Tolle Filme auf der Website, die Landschaften mit viel Wald, unberührter Natur und kleinen Straßen und Wegen zeigten, prägten einen Gegenpol zum Kopf-unten-in-Zweierreihe-eng-beieinander-mit-Vollgas-über-Landstraßen-Peloton. Platz für Individualität in der Gruppe, der durchorganisierten „Maschine Peloton“ war für viele Radsportler neu, man fuhr zusammen und es sah bei aller Hingabe und Leidenschaft auch immer erstrebenswert aus.

Doch Rapha beschränkte sich nicht nur auf die Bekleidung, Rapha wollte mehr. Events, Rennen, Rahmenbaucontest – alles rund um den Radsport wurde aufgegriffen und kreativ neu belebt. Immer mit einem eigenen, ganz besonderen Rapha-Look versehen. Der Onlineauftritt sprach kreative Menschen mit einem Faible für Ästhetik an – eine Community entstand.

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Zehn Jahre Rapha haben den Stil moderner Radsportbekleidung geprägt, viele Marken orientieren sich heute am Look der Engländer. Es gibt mittlerweile eigenständige kleine Firmen, die ebenfalls Material, Funktion und Look vereinen und neue Wege gehen. Branchenfremde erliegen der Faszination des Rads und bauen sich eine Existenz auf, angeregt von den Impulsen, die unter anderem von Rapha ausgingen. Und bringen ihrerseits wieder neue Impulse in die Fahrradbranche. Kreative Menschen begeistern sich wieder für die Ästhetik des Radsports, sei es in Form des minimalistischen Fixies, des klassischen Stahlrades oder der kompromisslosen Carbonmaschine. Ein Pluspunkt, von dem auch jeder Träger des abgeschrabbelten Teamkits mit Sponsorenlogo-Gemetzel profitiert. Man muss sich heute als Rennradfahrer nicht zwangsläufig als bedauernswertes Lycra-Opfer fühlen. Rennradfahren entwickelt sich selbst in Deutschland zu einer begehrten Freizeitbeschäftigung, Fahrradfahrer werden nicht mehr als Ökospinner belächelt, stattdessen kommt kaum noch ein Spot für Autos ohne ein cooles Rad, gerne mehrfach im Bild präsentiert, aus. Falls jetzt jemand !Ausverkauf! schreit, erwidern wir nur: wir finden die Entwicklung gut. Besser, die Kids wollen ein cooles Bike als einen SUV. Alles, was Menschen auf Fahrräder bringt, ist gut. Punkt.

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Im Herbst des letzten Jahres saßen wir dann im Anschluss an die abendlichen Rapha-Ausfahrten im Rahmen der Eurobike mit dem deutschen Verantwortlichen Dirk Kaufmann beim BBQ zusammen. Beim Gespräch kam die Idee auf, eine gemeinsame Ausfahrt von Schicke Mütze und Rapha zu organisieren. Wir alle hatten das Gefühl, da passen zwei Sachen gut zusammen.

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Bereits im Vorfeld wurde anhand der Anmeldungen klar, dass die Rauf+Runter-Tour viele Leute anspricht, immerhin war es die erste Veranstaltung mit Beteiligung von Rapha in NRW. Die düsteren Wetterprognosen in der Woche vor der Veranstaltung waren zwar wenig erbaulich, aber bei Dauerregen wäre es halt ein „epic ride“ geworden. Oder so ähnlich.

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Als dann am Sonntag, dem 3. Mai, knapp 70 MitfahrerInnen auf dem Hof der Schicken Mütze warteten, spielte überraschenderweise sogar das Wetter mit, lediglich ein Hauch von Niesel begleitete den Start und die ersten fünf Minuten. Unser ursprünglicher Plan, mit zwei getrennten Gruppen auf die Reise zu gehen, wurde Dank schicksalhafter Fügung nach einem Kilometer an einer Ampel über den Haufen geworfen, ein Umstand, der sicherlich nicht unerheblich für den Spaßfaktor der Ausfahrt war.

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Statt einer klassischen Niederrheinflachlandtour über die Felder war unser Plan, die kleinen Wirtschaftswege zwischen Hubbelrath, Ratingen und Wülfrath zu erobern. Eine Tour, die in der Form viele Leute im Umland von Düsseldorf nicht erwartet hätten, schließlich denkt man immer an die niederrheinische Tiefebene. Die Anstiege hoch zur Rennbahn und anschließend zum Gerresheimer Friedhof verwunderten dann auch einige, der Einstieg in die Hügelwelt zwischen Hubbelrath und Ratingen mit einem tollen Ausblick in die Ferne brachte ein breites Grinsen auf viele Gesichter.

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Getreu dem Motto der Ausfahrt, Rauf+Runter, warteten dann auf den folgenden 40 Kilometern einige kleine Rampen auf das Peloton, bis wir schließlich, nach einem kurzen Stück auf dem Panoramaradweg, mit einer kleine Seitenstraße parallel zum Esel den letzten Anstieg mit einem Stück Schotter abschlossen.

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Der Rest des Wegs blieb recht eben, über Mühlheimer Seitenstraßen und Feldwege führte uns die Strecke Richtung Duisburg, wo ein Schlagloch-übersätes Industriegebiet rustikalen Ruhrpottcharme verströmte. An der Stadtgrenze zu Düsseldorf erwartete uns schließlich ein erfrischender Sprühregen, der sich, als wir in der Mütze eintrafen, in einen ordentlichen Schauer wandelte.

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Nach entspanntem Ritt über 90 Kilometer und 700 Höhenmeter kamen Büffet und Drinks genau richtig, innerhalb von Minuten hatten alle MitfahrerInnen Teller in der Hand und plauderten angeregt.

Fazit: eine runde Sache. Wir haben kein negatives Wort gehört und es gab viel Lob aus berufenen Mündern. Allein dass 70 Rennradler völlig locker ohne Stresssituationen 90 Kilometer durch das Düsseldorfer Umland fahren und es keine/kaum negative Erfahrungen mit Autofahrern gibt, ist eine tolle Erfahrung.

Grüße und Danke für die gelungene Zusammenarbeit an Dirk, Andy und Franco von Rapha, das hat Spaß gemacht. Vom abendlichen Essen im Olio über die Altbiere bis hin zur Tour. Ein schönes Wochenende. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder.

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Wir möchten uns bei alle denen bedanken, die an dem Tag dabei waren, egal, ob als Helfer an den Kreuzungen, mit fleißigen Händen in der Mütze oder einfach als Mitfahrer. Das war ein wirklich tolles Peloton, irgendwie haben wir das Gefühl, bei unseren Veranstaltungen kommen immer gute Leute zusammen.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Spoocha-Machern. Eure Geste, mal eben einen Sponsor für die Fahrt und die Fahrer aus dem Arm zu schütteln, der eine ordentliche Summe für unsere Spendenbox für Sebastian Gondek stiftet, hat mich fast umgehauen. Wir sind somit an dem Tag auch für Sebastian gefahren, ein Umstand, der uns alle ein klein wenig tröstet. Daher ein kleiner Hinweis an alle, die bei Strava unterwegs sind: tretet dem Spoocha-Club bei. Ihr tut Gutes mit einer der schönsten Dinge im Leben, dem Rennradfahren.

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Mal schauen, vielleicht sehen wir uns ja bald alle wieder in der Mütze, am 6. Juni werden wir ja einige ordentliche Strecken in kleinen Gruppen im Rahmen des Giro Di Caffè unter die Räder nehmen. Und mit Dirk von Rapha haben wir schon nach der Tour überlegt, was man so machen könnte…

Viel Spaß mit den Bildern, auf bald…

Eure Mützen–Brigade

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